Melbourne trägt internationale, multikulturelle Züge und
macht eine Vielfalt an Lebensstilen möglich. In der Innenstadt füllen in der
Mittagspause Männer in Anzügen und Frauen in Kostümen die Cafes, man kann aber
auch Transvestiten in schriller Aufmachung antreffen, in Carlton speisen in den
Restaurants bürgerlich gekleidete Anwohner, in der Brunswick Street in Fitzroy
flanieren alternative junge Leute in bunter Modevielfalt … man kann in
Melbourne ziemlich extravagant herumlaufen oder leben, ohne aufzufallen oder
anzuecken. Aber man sollte immer höflich sein und sich nicht „unaustralisch“
verhalten. Die Australier haben einen großen Spielraum an Freiheiten, aber da,
wo es Vorschriften, Regeln und Konventionen gibt, hält man sie recht
diszipliniert ein. „Konformer Individualismus“ könnte man das nennen. Wenn man
wie wir unter Spaniern und Südfranzosen lebt, findet man das ziemlich
erstaunlich. Und als Deutscher ist man über die Freundlichkeit,
Hilfsbereitschaft und gute Laune der meisten Australier überrascht.
Meist bemühen sich diese auch Fremden gegenüber, ein
einigermaßen verständliches Englisch zu sprechen. Wenn man nämlich mit seinem
Schul-Englisch in Melbourne ankommt und meint, damit gut zurecht zu kommen,
täuscht man sich. Man versteht zuerst einmal kaum etwas, bis man sich an die australische
Aussprache, Spezial-Redewendungen und –wörter gewöhnt hat. Ich verstehe
Engländer und Nordamerikaner meist ganz gut, aber in Melbourne habe ich
zunächst nur „Bahnhof“ verstanden. Doch das wird im Laufe des Umgangs mit
Australiern immer besser. Und die vielen Immigranten haben es ja auch bald
geschafft. Es heißt, dass fast 40% der Melbourner außerhalb Australiens geboren sind...
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Zwei, die in Melbourne "angekommen" sind - aus Italien und Spanien - und sich befreundet haben. Wir waren in ihrer Wohngemeinschaft eingeladen: es gab italienische Pasta, Mittelmeer-Salat und spanischen Rotwein ... |
Melbournian Lifestyle
Es gibt einen Spruch, der besagt, dass kein Melbourner einen
Tag vorübergehen lässt, in dem er nicht einem Fremden sagt – sei er aus dem
Ausland oder anderen australischen Regionen – dass Melbourne „die beste Stadt“
ist. Melbourne gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Wir können
das unterschreiben. Man findet alles in der Stadt, was man sich wünschen kann.
Elegante Geschäfte in den Hochhausschluchten der von Menschen wimmelnden
Innenstadt, kleine alternative Geschäfte in den Vororten, moderne
avantgardistische und viktorianisch-historische Architektur, reich ausgestatte
Museen mit interessanten Ausstellungen, Theater mit internationalen
Aufführungen, sportliche und kulturelle Events, die Gäste aus aller Welt
anziehen, Orte der Ruhe wie die State Library, grüne Oasen mit üppiger
Vegetation wie den Königlichen Botanischen Garten, den Zoo und die vielen
anderen Parks, große Markthallen mit einem Angebot an Lebensmitteln, das einem
die Augen übergehen lassen, Restaurants, die Gerichte aus allen Erdteilen
anbieten – wobei man bei den angesagten Schlange steht, um einen Platz zu
ergattern. Selbst seinen geliebten Aldi findet der Deutsche allenthalben.
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Brunswick Street in Fitzroy - viele Strassenlokale und kleine Geschäfte |
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Der historische, 50 m hohe und von einer immensen Glaskuppel überdeckte, "Coop' s Shot Tower" ("Schrotturm" - Herstellung von Schrotkugeln 1888 bis 1961, durch freien Fall von gesiebtem Blei) - heute integriert in das "Melbourne Central", einem riesigen Shopping - und Bürozentrum in der Innenstadt, verbunden mit einer U-Bahn Station. Der Komplex wurde von einem japanischen Architekten und einer japanischen Firma 1986 bis 1991 erbaut. |
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Unter der Glaskuppel des Melbourne Central |
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Die neugotische St. Paul´s Cathedral am Federation Square |
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Buddha-Figur in der National Gallery of Viktoria (NGV) International |
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Jean Gaultier - Ausstellung im NGV International |
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Open Air Konzert auf dem Weinachtsmarkt in Coburg |
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Queen Victoria Market - Obststände |
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Oase der Ruhe - Royal Botanical Garden |
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In einem angesagten griechischen Restaurant in Fitzroy |
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Freundlicher und geschäftstüchtiger Kellner |
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Vielbesuchte Bar auf der Brunswick Sreet in Fitzroy |
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Theke im "Naked for Satan" |
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Wand im "Naked for Satan" |
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Auch "Lebensqualität": Kunst auf der Straße - Bank in Fitzroy |
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Straßenmalerei in Fitzroy |
Tagsüber trifft man sich in einer Unzahl an Cafés mit einem
immensen Angebot an Kaffeearten – Flat White (Milchkaffee), Long und Short
Black (Espresso), Mac (Macchiato), Cappuccino, Mocha (Espresso, Milchschaum,
Kakaopulver) usw. – auch Art und
Zubereitung der Milch ist von großer Bedeutung! Jeder Melbournianer hat sein
Lieblingscafé mit seinem Barista (Mann oder Frau hinter der Theke), der seinen
speziellen Wünschen nachkommt. Abends trifft man sich in meist alten, gemütlichen,
aber stets überfüllten Pubs, oft „Hotels“ genannt (sie waren es einmal), in
denen man sich mit Lautstärke gegen die Live-Musik und das allgemeine Geschrei
durchsetzt. An der Theke bestellt man sein Essen und Getränk, was man vor dem
Erhalt bezahlt. Verwirrt steht der Fremde vor der Vielzahl an Zapfhähnen mit
unzähligen Biersorten, wenn er einfach nach einem Bier verlangt.
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Mehr als ein Café - "dancing dog Café" im westlichen Vorort Footscray...hier gibt es auch Kunst, Literatur und Musik. Das Café wird von unserem Gastgeber Ben betrieben, in dessen Haus in Anglesea wir erfahren durften, wie exzellent sein Kaffee schmeckt.
Ben schreibt ein Buch über Kaffee... |
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Mittags eine Fahrt nach Footscray - ein "Café Menu" im "dancing dog"...

abends ein Pop- Konzert im Abbotsford Convent
und anschließend an die Theke einer Pub in Carlton
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Man wundert sich, wie voll Cafés und Restaurants sind, wie
viel Geld die jungen Melbournians für die Besuche dort ausgeben können. Von
Krise und Arbeitslosigkeit ist in Melbourne (noch?) wenig zu spüren, man
verdient offenbar gut. Allerdings sind auch Armutsgestalten nicht zu übersehen,
vor allem Alte, junge Drogenabhängige, Aborigines und Neu-Immigranten aus
asiatischen, afrikanischen und arabischen Ländern. Für uns Europäer ist
Melbourne ein teures Pflaster. Beim Einkauf in den Supermärkten ist man immer
wieder über die Summe erstaunt, die schon kleine Einkäufe für den
Lebensunterhalt hervorrufen. Da kommt das Essen in einem preiswerten Restaurant
oft nicht viel teurer! Zurück nach Spanien oder Deutschland, freut man sich
dann, wie viel man hier bei einem Einkauf erhält.
Doch weiter mit dem „Lifestyle“ in Melbourne. Bei schönem
Wetter zieht man in die Parks zu einem Barbecue oder Picknick, wo sich schon
Hunderte in kleinen Gruppen gelagert haben. Und am Wochenende geht es an den
Strand nach St. Kilda, zum Surfen an die Mornington Peninsula, in eine „ Winery“ im Yarra Valley, oder in die
kühlen Eukalyptus- Wälder der Dandenongs. Ein kleiner Regenguss, plötzliche
Kälte oder Hitze stört nicht weiter: das ist Melbourne Weather! Die
Wechselhaftigkeit hängt mit der Lage zwischen kaltem Pazifik und wärmeren
Indischem Ocean zusammen, dazu kommt der Einfluss der zeitweilig heißen
Wüstengebiete im Hinterland. Man sagt, ein Melbournian macht sich nichts
daraus, wenn er an einem Tag mit Schirm, Schal, Sonnenbrille,
Sonnenschutzmittel, Kopfbedeckung und Badehose loszieht. Und wehe dem – wie der
unbedachte Tourist - der das nicht alles mit sich führt! Entweder wird er
pudelnass, kriegt einen Sonnenstich oder zittert vor Kälte.
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Picknick auf einem weihnachtlichen Markt im Vorort Coburg |
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Am Strand von St. Kilda |
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"Luna Park" (Vergnügungspark) in St. Kilda |
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Weinfelder im Yarra Valley |
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Eukalypten in den Dandenongs |
Kommt man vom Flughafen und will zu seiner Unterkunft, dann
staunt man erst einmal über die großzügigen Highways, die in die Innenstadt
führen. Fährt man mit dem Taxi, dann braucht einen der Linksverkehr und die
Warnung „Tollway“ (gebührenpflichtig) nicht zu kümmern, mit Mietwagen wird man
aber gleich in Konflikte geführt! Erst geht´s zügig voran, aber je näher man
der Innenstadt kommt, desto langsamer wird´s und schließlich bleibt man meist
stecken. Aber für den Melbournian ist eine halbe Stunde im Stau noch „a good
run“.
So tut man gut daran, bei den Besichtigungen später das
ausgebaute Tramnetz oder die Füße zu benutzen. Aber schon gibt es neue
Stolperfallen für den Neuling. Wenn er die öffentlichen Verkehrsmittel
(Straßenbahn, Metro, Bus) benutzen will, braucht er eine „Myki-Karte“. Man erwirbt
sie an Bahnhöfen oder Kiosken, lädt sie mit einem bestimmten Betrag auf und
bucht die Fahrkosten an einem Gerät im Verkehrsmittel ab. Hört
sich einfach an, hat aber seine Tücken. Bei jedem Umsteigen muss man neu
abbuchen und schnell ist der aufgebuchte Betrag weg. Fehlt nur ein Penny, dann
piept der Abbuchungsautomat in peinlicher Art und Weise und alles guckt
betreten. Um dies und saftige Strafen zu vermeiden, haben wir immer zwei Karten
mit uns geführt.
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Fahrerstand City Circle Tram |
Aber eine Bahn ist kostenlos! Die City Circle Tram, eine Art Museumsbahn, die mit alten, ausgedienten
Straßenbahnwagen fährt. Man besteigt sie an einem ihrer Haltepunkte, quetscht
sich in die Reihen der Mitfahrenenden, meist Asiaten, und lässt sich ratternd
um die gesamte Innenstadt bis zu den „Docklands“ (modernes, hässliches Viertel
am Victoria Hafen) und zurück fahren. Dazu erhält man Erklärungen zu wichtigen
Sehenswürdigkeiten. Als Einführung in die Besichtigung Melbournes
empfehlenswert!
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