Hier fanden wir auch das Bild der angeblichen
letzten „vollblütigen“ nativen Tasmanierin, Trukanini alias „Lalla Rook“
(ihr „christlicher“ Name). Sie war Begleiterin und Dolmetscherin des von
Gouverneur George Arthur (1824-33) ernannten „Conciliators“, George Augustus
Robinson, ein ehemaliger Bauhandwerker und Laien-Prediger aus England. Er
sollte die Eingeborenen in
„Freundschaftlichen Missionen“ („Friendly Missions“) „versöhnen“. Auf
Grund seiner Aufzeichnungen weiß man
viel über Trukanini, wie umgekehrt er von ihr viel über die Kultur der
tasmanischen Native People erfuhr. Ihr Schicksal ist repräsentativ für die
letzten tasmanischen Eingeborenen.
Als Tochter eines
Aboriginal- Chefs ca. 1812 geboren, war
sie quasi eine „Eingeborenen-Prinzessin“. Sie war mit der traditionellen
Lebensweise ihres Stammes verbunden.
Ihre Mutter wurde von Walfängern getötet, ihr Verlobter in ihrem Beisein von Holzfällern
grausam umgebracht, zwei Schwestern von Robbenfängern in die Sex-Sklaverei
entführt, ein Onkel von Soldaten getötet. Sie erlebte und überlebte den „Black
war“ (1828-1830), die vom Gouverneur eingeleitete systematische Jagd von
Siedlern und Soldaten auf die Eingeborenen und deren Gegenwehr. Diesem ungleichen "Krieg" zwischen beiden Seiten fielen wohl 1000 tasmanische Eingeborenen und 100 Europäer zum Opfer. 1830 wurden Trukanini und ihr Mann Wooraddy, ebenfalls ein Stammes-Chef, zusammen mit den letzten Überlebenden der tasmanischen
Eingeborenen, von Bruny Island (an der Südspitze Tasmaniens) nach Flinder´s Island gebracht (nördlich von
Tasmanien). Robinson hatte die Leute mit Versprechungen, die nur zum Teil
eingehalten wurden, dort hin gelockt, wo sie hofften, in Ruhe und in ihrem
Lebensstil weiter leben zu können. Wooraddy und Trukanini hatten zugestimmt, in
der Hoffnung, ihre Volksgenossen zu retten. Auf Flinder´s Island
sollten sie als Bauern leben, Kartoffeln anbauen und essen und
schließlich „christianisiert und europäisiert“ werden. Dies scheiterte, ein
Großteil der dort praktisch in Gefangenschaft Gehaltenen, ging an Krankheiten und Entwurzelung zugrunde.
Trukanini, ihr Mann und
einige andere begleiteten Robinson in die Gegend von Melbourne, wo er von der
Regierung Victorias zum „Chief
Protector“ für die Eingeborenen ernannt worden war. Robinson sollte auch dort
die Aborigines befrieden, erfolglos.
Trukanini und Wooraddy waren von ihrem
bisherigen Schutzherrn enttäuscht und kehrten sich von ihm ab – die Gruppe
wurde zu „Outlaws“, bestahl Siedler und
tötete zwei Walfänger (die möglicherweise die Frauen belästigten). Zwei der Männer wurden in Melbourne
gehängt, Trukanini und ihr Mann wurden zurück nach Flinder´s Island geschickt.
Wooraddy verstarb während der Überfahrt. Den Rest der auf der Insel
Überlebenden siedelte man in die Nähe
von Hobart um, in Trukaninis altes Heimatgebiet. Sie nahm ihren traditionellen
Lebensstil – Jagen, Fischen - wieder auf. 1873 war sie die einzige Überlebende
dieser Gruppe. 1874 zog sie nach Hobart, in die Obhut einer europäischen
Familie. In Hobart war sie eine bekannte Figur. Sie starb dort 1876.
Die Regierung erklärte
sie zur „letzten reinrassigen“ tasmanischen
Nativen. In ihren Augen war damit das Eingeborenen-„Problem“ gelöst.
Tatsächlich gibt es aber Nachfahren der „ersten Leute“ von Tasmanien, die heute
wieder ihre Stimme und Ansprüche erheben. Sie stammen meist von Kindern ab, die
schwarze Frauen mit weißen Männern hatten.
Trukanini hatte einst
gesagt: „Ich weiß, wenn ich sterbe, will das Museum meinen Körper“. Sie sollte
Recht behalten. Zwar wurde sie beim Alten (Cascade-)Frauengefängnis begraben,
aber zwei Jahre später exhumiert, von der „Königlichen Gesellschaft von
Tasmanien“ mit Erlaubnis der Regierung
, für „wissenschaftliche Zwecke“. Europäische Antropologen waren an den Körpern
von tasmanischen Eingeborenen interessiert, weil man sie wegen ihrer langen
Isolierung auf der Insel für eine „zurückgebliebene Rasse“ hielt.
Das Skelett Trukaninis
war lange Zeit in dem Museum, das wir besuchten, ausgestellt. Hundert Jahre
nach ihrem Tode gelang es Nachkommen ihres Volkes, ihre Überreste zu erhalten
und, gemäß ihrem letzten Wunsch und nach der Art ihres Volkes, zu bestatten.
Ihre Asche wurde nahe ihrem Geburtsort ins Meer verstreut.
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Oben: Aboriginal -Hütte (Museum Hobart)
unten: frühe europäische Siedlerhütten im Outback (Gemälde)
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Bürgerliches Siedlerhaus (Ross - Tasmanien) |
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Robinson auf einer seiner "Freundlichen Missionen" - Trukanini rechts zeigt auf ihn (Gemälde: Museum Hobart) |
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Aboriginal-Kanu (Museum Hobart)
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Romantische Landschaft (tasmanisch inspiriert) mit Aboriginal-Lager (Gemälde Museum Hobart) |
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