Begegnungen mit Koalas und den "Zwölf Aposteln"
Vor Weihnachten hatte
Anna-Lena Urlaub genommen und wir begaben uns auf die Great Ocean Road westlich
von Melbourne. Das ist eine
Küstenstraße, die zu den touristischen Höhepunkten Australiens
gehört. In Apollo Bay, einem viel
besuchten Badeort, fuhren wir hinauf in
die Berge des Otway-Nationalparks.
Inmitten von ausgedehnten und dichten Eukalyptuswäldern mit riesigen
Bäumen und grünen Weiden, lag einsam ein Gehöft, das einer Melbourner
Künstlerin und ihrem Mann gehört. Anna-Lena hatte ein separates Holzhäuschen
gebucht. Hier verbrachten wir den Heiligen Abend, sehr romantisch, mit
knisterndem Holzfeuer im Ofen. Draußen,
direkt vor einem Fenster, machte ein Koala-Bär auf einem Eukalyptusbaum durch
Grunzen auf sich aufmerksam. Bei
Spaziergängen hatten wir es bald heraus, die possierlichen Tiere in den
Bäumen zu entdecken. Sie sitzen da, oft in schwindelnder Höhe in Astgabeln und
auf dünnen Ästen, schlafen oder mampfen Eukalyptusblätter. Einige Male
konnten wir die Tiere ganz aus der Nähe beobachten. Mit
umschleierten Augen blickten sie
uns an – sie sind durch die Wirkung der Eukalyptusblätter immer ein bisschen
„high".
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Stehen in Sturm und Wellen - drei Apostel |
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Hier sind sie alle - die noch übrig geblieben sind |
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Uferfelsen |
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Das Wetter ist ziemlich ungemütlich |
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Am Ufer warten die Nachfolger der Apostel - wenn das Meer weiter steigt und arbeitet |
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Fauna und Flora - Schautafel |
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Weiterfahrt auf der Ocean Road - mutiger Wellenreiter |
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Surfer - nicht weniger wagemutig |
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Ausblick an der Ocean Road |
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Strandabschnitt |
Nach dem Aufenthalt in
der „Killala Cottage“ fuhren wir die Küstenstraße hinauf, zu den berühmten „12
Aposteln“. Das sind aus dem Meer ragende
Kalksteinfelsen vor der Steilküste. Die Kraft der Wogen – sie gehen hier sehr
hoch - hat sie vom Festland abgetrennt und geformt. Die Erosion verändert sie weiter und fünf von ihnen sind schon der ständig
anbrandenden See zum Opfer gefallen. Dann fuhren wir auf der Küstenstraße zurück nach Anglesea, einem kleinen
Küstenort. Die Fahrt beeindruckt durch faszinierende Ausblicke auf Leuchttürme,
Sandstrände und Felsküste. An der Küste bei und nach Anglesea beobachteten wir
wagemutige Surfer. Sie schwimmen mit ihren Brettern durch die Brandung hinaus, schwingen sich vor den meterhohen
Wellen auf‘ s Brett und lassen sich von
der Welle wieder zurück tragen. An diesen
Stränden surfen wirkliche Könner!
In Anglesea hatten wir bei Ben, einem Melbourner Cafebesitzer, ein
Zimmer gebucht, natürlich wieder mit Haus- und Gartenbenutzung. Am Zweiten Weihnachtsfeiertag, dem
„Boxing Day“ („Geschenkschachteltag“ –
früher für die Hausangestellten), veranstaltete er mit seinen Gästen ein
Barbecue – etwas typisch Australisches!
Mit dabei waren zwei jüngere Chinesinnen aus Shanghai. Eine
entpuppte sich als sehr reiseerfahren, mit erstaunlichen Kenntnissen der
europäischen Museen und Kultur. Es wurde ein munterer „internationaler“ Abend mit vielen Gesprächen
über alle möglichen Themen.
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Zwei Gäste auf Bens Terrasse |
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Bei Ben und Freund (rechts) |
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Rosellas fallen ein |
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Wer in Anglesea sicher Kängurus sehen will - muss zum Golfplatz gehen |
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Am Strand von Anglesea |
In Anglesea konnte man
gut an einem breiten Strand baden - natürlich wie fast immer in Australien
nicht weit hinaus, wegen der großen Wellen und der Haie - lange Spaziergänge an
der Steilküste durch die Buschlandschaft machen oder auch nach Lorne, einem
größeren Badeort, zum Shopping fahren.
In der Umgebung unseres busch- und waldumgebenen Quartiers gab es
Kakadus, Possums und riesige Grey-Känguruhs. Eines dieser Viecher stand abends
plötzlich vor uns, zwei Meter hoch und – wie uns schien - die Arme wie ein
Boxer hoch genommen! Aber es war wohl genau so erschrocken wie wir – als wir
still standen, verschwand es in der Dunkelheit. Wie auf unserer ganzen Reise
hatten wir keine Begegnungen mit den giftigen Schlangen, die es allenthalben
gibt. Denen war wohl das Wetter zu kühl.
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Auf der Überfahrt zur Mornington Peninsula |
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Mornington Peninsula - Badestrand an Westküste |
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Ostküste - Cape Schanck |
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Abstieg am Cape Schanck zum Meer |
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Das Meer tost hier ganz schön... |
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...und formt das Ufer |
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Seawinds Garden - Aboriginal-Skulptur von W. Rickett |
Nach Anglesea fuhren wir weiter zurück, Richtung Melbourne.
In Queenscliff setzten wir mit der Fähre über nach Sorrento auf die Mornington
Halbinsel. An der Westseite lange Strände,
Badeorte, Campingplätze – jetzt in der australischen Ferienzeit alles voll
belegt Die Mornington Halbinsel ist auch
wegen der „ Wineries“ beliebt, von denen es wohl an die 50 gibt. Hier wächst
ein „Cool Climate“-Wein, vor allem
„Pinot Noir“. Wir fahren eine gewundenen Straße hinauf auf
einem Hügel über dem Meer und
machen bei „Arthurs Seat“ Halt (gibt es
auch in Schottland) - mit schönen Ausblicken. Dann spazieren wir durch den
ausgedehnten Park „Seawinds Gardens“. Hier fasziniert uns neben dem Baum- und
Pflanzenbewuchs eine Wand mit eindrucksvollen Aboriginal-Skulpturen des
Bildhauers William Rickett (ich
berichte später über einen Besuch in seinem Skulpturenpark in den Dandenong Ranges). An
der Ostküste beeindrucken Felsen, Wind,
riesige Wellen. Besonders wild und „scenic“: das windumtoste Cape
Schanck.
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Unsere Unterkunft in Langwarrin - Einfahrt |
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In der Küche |
Unsere Unterkunft in
Langwarrin war dann eine ehemalige
Farm, die von einem pensionierten
Ehepaar erworben wurde. Als Tierbestand grasten nur noch einige Schafe, ein
Pferd und ein Alpaka auf den Wiesen vor dem blumen- und baumbestandenen Haus.
Benutzt konnte wieder das ganze Haus und Areal. Der Aufenthalt war aber etwas
anstrengend, weil das Besitzerpaar sich ständig mit uns unterhalten
wollte.
Um dieses Anwesen
lagen weitere „Herrenhäuser“ inmitten
großflächiger Wald-, Wiesen,
Gartenareale verstreut - Hinweis darauf,
dass es doch wohl eine ganze Menge
wohlhabender Menschen um Melbourne herum geben muss.
Den Silvesterabend
verbrachten wir auf einer großen Party betuchter Melbourner, die hier auf der
Mornington Peninsula ihre Sommerresidenzen haben. Dom, der Freund Anna-Lenas, hatte uns
mitgenommen. Wir wurden als „Exoten“ freundlich aufgenommen und in
manche Gespräche verwickelt. Der Abend endete mit einem großen Feuerwerk am
Strand, das einer der Gastgeber, ein
Weinproduzent, gespendet hatte. Auf dem Weg dahin hatte der urige Besitzer des
Party-Hauses den Arm um mich gelegt, auf sein Haus hinter sich, den Strand vor
uns und auf das „Kreuz des Südens“ – mit seinen fünf Sternen - über uns gezeigt
und gesagt: " Das ist das Haus, für das ich hart
gearbeitet habe, und das da oben ist die Flagge Australiens, das ist meine
Heimat. Kannst Du verstehen, dass ich hier glücklich bin?“
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Kreuz des Südens (wiki) |
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Schöne Erinnerungen!
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